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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Die Fotografen im Getto

Im Getto gab es einige jüdische Fotografen, die eine Ausnahmegenehmigung besaßen. Von ihnen sind heute lediglich fünf namentlich bekannt; wahrscheinlich gab es aber mehr. Neben Lejb Maliniak, Mieczysław Borkowski und Hans Ruiczek, über die man sehr wenig weiß, waren die wichtigsten und heute bekanntesten Fotografen Mendel Grosman und Henryk Ross.


Mendel Grosman/Grossmann (1913-1945) war bereits vor dem Krieg Fotograf. Er musste 1940 ins Getto umziehen, wo er Arbeit in der Statistischen Abteilung aufnahm. Grosman konnte 1944 noch seiner Deportation ins Konzentrationslager Sachsenhausen 10.000 Negative auf dem Gettogelände verstecken. Von Sachsenhausen kam er ins Arbeitslager Wusterhausen, wo er bis zum 16. April 1945 Häftling war. Er wurde auf einem Todesmarsch erschossen. Seine Schwester fand nach Kriegsende seine Bilder und brachte sie nach Palästina, wo sie aber im Unabhängigkeitskrieg 1948 verloren gingen. Nachman Zonabend konnte aber zahlreiche Diapositive retten, die heute in Archiven lagern.

Henryk Ross (1910-1991) stammte aus Warschau und arbeitete vor dem Krieg als Pressefotograf für verschiedene Zeitungen in Łódź. Er arbeitete wie Grosman auch in der Statistischen Abteilung. Im Sommer 1944 gehörte er zu dem sogenannten Aufräumkommando im aufgelösten Getto. Daher konnte er zahlreiche Fotos und Dokumente verstecken. Nach dem Krieg führte er ein Fotogeschäft in Łódź, emigrierte aber 1956 nach Israel, wohin er seine Fotos mitnahm. 3.000 Negative befinden sich heute in der Art Gallery of Ontario in Toronto.

Mendel GrosmanHenryk Ross