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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Das Getto Lodz/Litzmannstadt

Das Getto Lodz/Litzmannstadt wurde Ende April 1940 von den deutschen Besatzern eingerichtet. Fortan mussten die ungefähr 160.000 Juden der Stadt, später der gesamten Region, eng zusammengepfercht unter elenden Verhältnissen leben, zumal die Nationalsozialisten bewusst den ärmsten Stadtteil zum Getto erkoren hatten.

Das Getto nimmt in der Geschichte der Verfolgung und Ermordung der Juden eine besondere Position ein, da es bis August 1944 bestand, als die meisten anderen Gettos längst nicht mehr existierten und die meisten Bewohner ermordet waren. Insgesamt lebten im Getto Lodz/Litzmannstadt etwa 200.000 Menschen, von den circa 45.000 Menschen den katastrophalen Verhältnissen bereits im Getto zum Opfer fielen. Sie starben an Hunger, Entkräftung oder Krankheiten. Zehntausende Menschen deportierten die Besatzer in das Vernichtungslager Chełmno/Kulmhof, dem ersten reinen Vernichtungslager, wo die Opfer in Gaswagen ermordet und die Leichen anschließend verbrannt wurden.

Im Sommer 1944, als das Getto schließlich aufgelöst wurde, lebten noch etwa 70.000 Menschen dort. Die allermeisten von ihnen wurden nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo der Großteil von ihnen unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern getötet wurde.

Innerhalb des Gettos funktionierte eine weitverzweigte jüdische Verwaltung, deren Aufgabe darin bestand, die Befehle und Anordnungen der deutschen Machthaber in den Grenzen des Gettos umzusetzen. Auf diese Weise verlagerten die Besatzer viele Konflikte in das Getto, da sie selbst oft im Hintergrund blieben und die Getto-Bewohner die jüdische Verwaltung mit dem sogenannten Judenältesten Mordechai Chaim Rumkowski an der Spitze für die Maßnahmen und für ihre Not verantwortlich machten.

Zu einer weiteren Verschärfung der inneren Konflikte trugen der autoritäre Führungsstil und ein Hang zur Selbstherrlichkeit bei Rumkowski bei. Überdies verfolgte er die Strategie, das Getto zu einer produktiven Arbeitsstätte für deutsche Belange umzubilden, auf die die Deutschen angewiesen sein sollten. So erhoffte er sich, ein Überleben zumindest der arbeitsfähigen Menschen erreichen zu können.

 

Weiterführende Literatur:

  • Löw, Andrea: Juden im Getto Litzmannstadt. Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten. Göttingen: Wallstein, 2006.
  • Baranowski, Julian: The Łódź Ghetto 1940-1944 – Łódzkie Getto 1940-1944: Vademecum. 2. verbesserte und erw. Aufl. Łódź: Archivum Panstwowe/Bilbo, 2003.
  • Unger, Michal: The Last Ghetto. Life in the Lodz Ghetto 1940-1944. Jerusalem: Yad Vashem, 1995.
  • Klein, Peter: Die „Gettoverwaltung Litzmannstadt“ 1940-1944. Eine Dienststelle im Spannungsfeld von Kommunalbürokratie und staatlicher Verfolgungspolitik. Hamburg: Hamburger Edition, 2009.