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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Hinweise zur Edition

Bedingt durch die Überlieferungsgeschichte der Getto-Chronik findet man heute Quellen in Archiven weltweit. So besitzen das Staatsarchiv Łódź, das YIVO-Institut New York und Yad Vashem in Israel Teile der insgesamt 6000 erhaltenen Chronikblätter. Die Łódzer Bestände sind dabei die umfassendsten. Diese Aufteilung der Quellen lässt sich auf das Handeln von Nachman Zonabend nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurückführen. Der ehemalige Getto-Briefträger blieb nach der Liquidierung des Gettos im August 1944 zunächst  im Aufräumkommando zurück und konnte so die Chronik und andere Materialien aus dem Archiv des Judenältesten unter Decken und in einem Brunnen verstecken. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied er sich dafür, die Dokumente nicht an einem Ort zu belassen. Zonabend nahm Teile der Chronik bei seiner Ausreise aus Polen mit, um sie im Folgenden an die großen jüdischen Archive, das YIVO-Institut und Yad  Vashem zu übergeben.
Diese wechselvolle Überlieferung schlägt sich auch in der Edition nieder, die mit der fünfbändigen Edition 2007 durch die Arbeitsstelle Holocaustliteratur abgeschlossen wurde. Um die Bestände der drei Archive unterscheiden zu können, wurden die Termini HK, LK, GVK, NYK, JK und JFK eingeführt.

  • HK steht dabei für das Hauptkonvolut, welches den umfangreichsten Bestand im Staatsarchiv Łódź bezeichnet und die Grundlage der Edition darstellt.
  • LK bezeichnet das Łódzer Konvolut und umfasst „Dubletten, Fragmente und Zusatztexte der Getto-Chronik“ (ebenfalls Staatsarchiv Łódź).
  • GVK (Gettoverwaltungs-Konvolut) steht für einzelne, mit den Dokumenten der deutschen Gettoverwaltung erhaltene Chronik-Texte (ebenfalls Staatsarchiv Łódź).
  • NYK (New Yorker Konvolut) bezeichnet die im YIVO-Institut New York archivierten Bestände.
  • JK (Jerusalemer Konvolut) umfasst das in Yad Vashem erhaltene Konvolut.
  • JFK (Jerusalemer Film-Konvolut) meint den ebenfalls in Yad Vashem gefundenen Mikofilm – bei dem es sich anscheinend um eine Kopie des Łódzer Konvoluts handelt, jedoch noch weitere Seiten umfasst.


Da es fast in jedem der Konvolute Varianten einzelner Tage gibt, stößt man bei der Lektüre auch auf die Begriffe HKV, LKV, GVKV, NYKV und JFKV. Diese bezeichnen die jeweiligen Varianten. Gibt es mehr als zwei Varianten, so werden diese durch die Hinzufügung eines Buchstabens unterschieden, etwa HKV/a, HKV/b und HKV/c.
Diese Einteilung der Konvolute macht es erstmals möglich, eine komplette Übersicht über die erhaltenen Bestände zu geben und jedes einzelne Blatt zu bezeichnen.
Ein weiteres Anliegen der Edition war es jedoch auch, die Unterschiede der Tageseinträge zu denen des Hauptkonvoluts (HK) aufzuzeigen. Dafür stehen die Asteriske (*). Folgt etwa einem Blatt aus dem Jerusalemer Konvolut ein Asterisk, findet man also die Nennung JK*, so ist dieses Blatt mit dem Eintrag im Hauptkonvolut identisch. Zwei Sterne hingegen (JK**) weisen daraufhin, dass der Eintrag von dem im Hauptkonvolut erhaltenen abweicht. Oft sind es handschriftliche Korrekturen, Klammern oder Streichungen, die zu dieser Unterscheidung führen.

Weiterführende Literatur:

  • Feuchert, Sascha: „Die Getto-Chronik: Entstehung und Überlieferung. Eine Projektskizze“, in: Feuchert, Sascha/ Leibfried, Erwin/ Riecke, Jörg: Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt. Supplemente und Anhang (Bd. 5). Wallstein: Göttingen 2007, S. 167-190.
  • Leibfried, Erwin/ Turvold, Elisabeth: „Zur Edition“, in: Feuchert, Sascha/ Leibfried, Erwin/ Riecke, Jörg: Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt. Supplemente und Anhang (Bd. 5). Wallstein: Göttingen 2007, S. 205-270.