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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht von Donnerstag, den 16. März 1944

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Tageschronik Nr.: 
76

Das Wetter:

Tagesmittel 6 – 10 Grad, sonnig.

Sterbefälle:

8,

Geburten:

4 / 1 m., 3 w./

Festnahmen:

Verschiedenes: 1

Diebstahl: 2

Bevölkerungsstand:

77.916

Brand:

Am 15.3.44 wurde die Feuerwehr um 15 Uhr 54 Min. nach dem Betrieb Nr. 68, Sortierungs- und Verwertungsstelle, Sulzfelderstr. 15, zu einem Kabelbrand, der durch Kurzschluss entstand, alarmiert. Das Feuer wurde mit Hilfe eines trockenen Handfeuerlöschapparates gelöscht.

Tagesnachrichten.

Kommission im Getto:

Eine Kommission, bestehend aus Offizieren der Wehrmacht und der SS, unter Führung des Amtsleiters Biebow, besuchte auch heute wieder verschiedene Ressorts sowie das Baugelände in Radegast.

Arbeiter ausserhalb des Gettos:

60 Mann aus dem Zentral-Gefängnis wurden über den Baluter-Ring zur Arbeit ausserhalb des Gettos entsandt. Alle anderen Internierten wurden aus dem Zentral-Gefängnis entlassen und die Blockierung der Lebensmittelkarten der noch Versteckten wurde aufgehoben. Der Präses hatte schon vorher die Beschäftigung von verschiedenen Befreiten an der Abbruchstelle verfügt. Darunter auch alle diejenigen, die er persönlich befreit hatte.

Approvisation.

An Frischgemüse kam heute nichts herein, lediglich 1800 kg konserv. rote Beete. An Frischfleisch erhielt das Getto heute ca 3000 kg.

Trotz der schlechten Wetterlage wird bei den Kartoffelmieten gearbeitet und die Küchen werden laufend mit den Vorräten aus diesen Mieten versorgt. Die Hoffnung des Gettos auf eine Ration Kartoffeln wird sich nicht erfüllen. Eine einzige Ration von je 1 kg Kartoffeln pro Kopf würde, unter Berücksichtigung des Mankos, eine Entnahme von ungefähr 100.000 kg erfordern und das ist, angesichts der schlechten Wetterlage, undurchführbar.

Ressortnachrichten.

Der bisherige Uhrmacher- und Juwelierbetrieb führt jetzt die amtliche Bezeichnung Uhrenreparatur-Werkstätte.

Sanitätswesen.

Die heute gemeldeten ansteckenden Krankheiten: keine Meldungen.

Die Todesursache der heutigen Sterbefälle:

5 Lungentuberkulose, 2 Herzkrankheiten, 1 Gehirnblutung.

1

HK, JK*, JFK*: „den“ fehlt in der Kopfzeile.