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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht vom Freitag, den 1. Oktober 1943

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Tageschronik Nr.: 
258

Das Wetter:

Tagesmittel 11-13 Grad, regnerisch.

Sterbefaelle:

9

Geburten:

-

Festnahmen:

Verschiedenes: 1

Richtigstellung der Meldung vom 1. September 1943:

Statt der gemeldeten 225 Personen, sind nur 224 Personen nach ausserhalb des Gettos zur Arbeit gegangen.

Bevoelkerungsstand:

83.686

Tagesnachrichten.

Der Fall Winograd:

In dieser Angelegenheit erfolgte die endgueltige Entscheidung des Amtsleiters, der zufolge Winograd eine 4 woechentliche Haft im Zentral-Gefaengnis abzubuessen habe.

Approvisation.

Fleischzuteilung: Ab Sonnabend, den 2.10.1943, werden auf Coupon Nr. 41 der Nahrungsmittelkarte

100 g Fleisch pro Person herausgegeben.

Die Kartoffelzufuhr bessert sich allmaehlich, sodass man stuendlich die Herausgabe einer Kartoffelration erwarten kann.

Qualitaetsverminderung der Ressortsuppen:

Ab 4. ds. wird die Qualitaet der Ressortsuppen eine Verschlechterung erfahren. Es ist eine Reduktion von 3,5 dkg auf 2 dkg Kolonialwaren zu erwarten. Kartoffel von schlechter Qualitaet muessen zur Verdickung der Suppen gerieben werden.

Postwesen.

Im Laufe der letzten 3 Tage hatte die Post alle Haende voll zu tun, sie hatte ca 5000 Neujahrsglueckwuensche /Postkarten, Briefe und Telegramme/ zuzustellen, hievon ca 1500 allein nur an den Praeses.

Fuersorgewesen.

Selbsthilfe-Aktionen:

In den letzten Monaten sind einzelne Ressorts zur Selbsthilfe geschritten, indem sie eigene Comitees organisiert haben, die sich mit der Krankenfuersorge befassen. Am vollkommensten funktionieren diese Comitees in den Betrieben der Waesche- und Kleider-Abteilung / Glaser/, Papier-Abteilung und Tischlerei-Betrieb, Zimmerstrasse 12. Alle Betriebe haben eine ungefaehr gleichartige Organisation. Zunaechst verpflichten sich die Inhaber der Beirat- und B-I-Talone zur Ablieferung eines bestimmten Prozentsatzes ihrer Zuteilung. Ausserdem liefert die Belegschaft selbst geringe Mengen an das Comitee ab, z.B. von jeder Ration eine Kartoffel, einen Loeffel Zucker etc. etc., diese Mengen ergeben gesammelt einen gewissen Fundus. Durch gewisse Kanaele gelangen an diese Comitees sonstige aussertourliche Zuwendungen. Ueberdies verfuegt fast jedes Ressort ueber eigene Gemuesegaerten, aus denen ebenfalls an das Comitee entsprechende Mengen gelangen. Weiters werden freiwillige Geldspenden gesammelt, aus welchem Fond Medikamente, insbesondere Injektionen, angeschafft werden. Die Betreuung der Kranken durch Arbeitskameraden ist ebenfalls organisiert. Die Leitungen stellen ueberdies den Comitees Teile ihrer Kontingente an Kraeftigungsmittagen, Zusatzsuppen zur Verfuegung. Ferner koennen die Comitees bei der Delegierung von Arbeitern in Baeckereien Einfluss nehmen. Diese Selbsthilfe-Organisationen haben sich allgemein so ausgezeichnet bewaehrt, dass jetzt so ziemlich alle Abteilungen und Ressorts daran gehen, solche Komitees zu schaffen.

Sanitaetswesen.

Die heute gemeldeten ansteckenden Krankheiten:

6 Bauchtyphus, 3 Tuberkulose.

Die Todesursache der heutigen Sterbefaelle:

5 Lungentuberkulose, 1 Tuberk. Gehirnhautentzuendung, 2 Herzkrankheiten,

1 Lungenentzuendung.