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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht von Mittwoch, den 22. März 1944

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Tageschronik Nr.: 
82

Das Wetter:

1 Grad, Frost, in der Nacht starker Schneefall.

Sterbefälle:

7,

Geburten:

1 /w./

Festnahmen:

Verschiedenes: 1,

Diebstahl: 4

Bevölkerungsstand:

77.797

Selbstmordversuch:

Am 21.3.44 versuchte Braniec Zyskind, geb. 3.4.1887 in Petrikau, wohnhaft Pfefferg. 7, durch Einschnitt in den Hals mit einem Küchenmesser Selbstmord zu begehen. Derselbe wurde durch die Rettungsbereitschaft ins Krankenhaus überführt.

Tagesnachrichten.

Die FUKA:

Der Präses hat die Reste der FUKA als Bestandteil seines eigenen Büros übernommen. Die beiden Mitglieder des Präsidiums, Direktor Jozef Rumkowski und M. Rozenblat, erhielten mit einem kleinen Stab von Mitarbeitern Räume, anschliessend an das Büro des Aeltesten zugewiesen. Der Arbeitsbereich dieses so rekonstruierten Referats ist aber noch nicht festgesetzt. Man darf annehmen, dass ihm in erster Linie wieder die Kontrolle bzw. die Regulierung der Zusatzmittage übertragen werden wird.

Privatläden geschlossen:

Der Präses verfügte die Schliessung einiger Läden von Privathändlern durch den Ordnungs-Dienst, wobei die Vorräte von Produkten, vor allem grössere Mengen von Zigaretten, beschlagnahmt wurden.

Approvisation.

Keine wesentliche Aenderung der Hungerlage. An Gemüse trafen heute nur 8.640 kg Möhren ein. Ansonsten Lebensmittel aller Art im Rahmen des Kontingents. Hingegen ist die Liste der ins Getto eingetroffenen zusätzlichen Bedarfsgüter am heutigen Tage besonders gross.

Ressortnachrichten.

Heute sind wieder grössere Partien von Uniformzuschnitten und Textilwaren für die Schneiderei-Betriebe eingetroffen.

Auch die Tischlereien erhalten nach wie vor grössere Mengen von Roh- und Halbfabrikaten.

Gesundheitswesen.

Der Präses hat ein grösseres Quantum Lebertran zu seiner Verfügung erhalten und verteilt dieses Medikament in kleinen Quantitäten an Patienten, die ärztliche Zeugnisse vorlegen. Die Gesuche werden teils in seinem Büro, teils in der ehemaligen Informations-Abteilung entgegengenommen. Vielfach empfängt der Präses auch persönlich Patienten.

Sanitätswesen.

Die heute gemeldeten ansteckenden Krankheiten: 3 Tuberkulose, 1 Bauchtyphus.

Die Todesursache der heutigen Sterbefälle: 5 Lungentuberkulose, 1 Herzschlag, 1 Bronchialasthma.