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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht von Montag, den 10. April 1944

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Tageschronik Nr.: 
101

Das Wetter:

Tagesmittel 9-18 Grad, sonnig.

Sterbefälle:

21,

Geburten:

keine

Festnahmen:

Verschiedenes: 1,

Diebstahl: 1

Bevölkerungsstand:

77.592

Tagesnachrichten.

Auch heute das gleiche Bild. Allenthalben sieht man offene Fenster, Betten werden gelüftet, Kleider ausgehängt und die Menschen ziehen besser gekleidet durch die Strassen, nicht recht wissend, was sie mit der freien Zeit anfangen sollen, denn freie Zeit macht noch hungeriger.1

Anbauflächen:

Auch heute grosser Betrieb bei der Wirtschafts-Abteilung. Das gleiche Bild wie gestern. Eine Nahrungsmittelkarte notiert heute schon 200 Mk. Man muss abwarten, wie die Kommission bzw. der Präses auf diese Manipulationen reagieren wird, denn es besteht kein Zweifel, dass dieser Gang der Dinge im Widerspruch steht mit den Absichten, die der Präses für diese Saison hatte.

Approvisation.

Gestern und heute keine Wareneingänge.

Sanitätswesen.

Die Todesursache der heutigen Sterbefälle: 14 Lungentuberkulose, 1 tub. Gehirnhautentzündung, 3 Herzkrankh., 1 Schlaganfall, 1 Dickdarmkatarrh, 1 Lebensschwäche.

1

Pessach fiel im Jahre 1944 zeitlich mit dem Osterfest zusammen. Der 10. April 1944 war Ostermontag.