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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht von Sonnabend, den 4. März 1944

Tageschronik Nr.: 
64
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Das Wetter:

0 Grad, sonnig.

Sterbefälle:

10,

Geburten:

4 /2 m., 2 w./

Festnahmen:

Diebstahl 1,

Verschiedenes 1.

Bevölkerungsstand:

78,858 /78,870 lt. Karten-Abteilung/

Ausweisungen:

750 Mann zur Arbeit ausserhalb des Gettos.1

Tagesnachrichten.

1710 Arbeiter:

In den Abendstunden des 3. März wurde die folgende Bekanntmachung Nr. 414 angeschlagen:

Warnung!

Betr.: Entsendung von Arbeitern nach ausserhalb des Gettos.

Nachdem sich trotz meiner wiederholten Warnungen verschiedene Personen immer noch nicht im Zentral-Gefängnisse gemeldet haben, fordere ich diese Personen hierdurch letztmalig auf, sich unbedingt

sofort

nach Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Zentral-Gefängnis zu melden.

Die sich jetzt noch versteckt haltenden Personen sind der falschen Meinung, dass die Sperrung der Lebensmittelkarten nach Entsendung des Arbeiter-Transportes aufgehoben wird.

Ich mache jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass diese Ansicht irrig ist und sich die fraglichen Personen nach Entsendung des Arbeiter-Transportes mit ihren gesamten Familienangehörigen im Zentral-Gefängnis melden müssen.

Bei Stellung der Anträge auf Aufhebung der Lebensmittelkarten-Sperre im Zentral-Gefängnis werden die sich bis dahin versteckt gehaltenen Personen im Zentral-Gefängnis arretiert, verbleiben im Zentral-Gefängnis und werden gezwungen aufzugeben2:

wo sie sich während der ganzen Zeit versteckt gehalten haben,

wer ihnen dazu verholfen

u. wer sie in derselben Zeit mit Lebensmitteln irgendwelcher Art unterstützt hat,

damit diese Personen dann auch zur Rechenschaft herangezogen werden können. Früher wird eine Aufhebung der Lebensmittelkarten-Sperre nicht erfolgen. Diejenigen Personen, die sich jetzt noch versteckt halten, sich aber nach Veröffentlichung dieser Bekanntmachung unverzüglich im Zentral-Gefängnis melden, werden nebst ihren Familienangehörigen von den oben geschilderten Massnahmen befreit.

Litzmannstadt-Getto, den 3. März 1944

/-/ Ch. Rumkowski

Der Aelteste der Juden in Litzmannstadt.3

Diese Bekanntmachung ist auch in jiddischer Sprache abgefasst.

Man sieht, dass der Aelteste verzweifelte Versuche macht, die versteckten Personen aus ihren Schlupfwinkeln herauszuholen. Man muss aber selbst diesem neuen Versuche gegenüber skeptisch bleiben und die Zähigkeit und Angst der Menschen kennen, um zu verstehen, dass selbst Drohungen so ernsten Charakters wahrscheinlich auch nicht zum Ziele führen werden.4

1 Gruppe ausgefahren:

Schon in den Abendstunden des gestrigen Tages wussten Eingeweihte, dass die erste Gruppe von 750 Mann in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages das Getto verlassen wird. Die Männer wurden um 4 Uhr morgens alarmiert und um 1/2 6 Uhr marschierten sie nach Bahnhof Radegast ab, wo einige Gueterwagen für den Abtransport bereitstanden.

Ein Vertreter der Privatfirma, welche die Arbeiter angefordert hat, war zur Uebernahme derselben erschienen und führte die Gruppe mit einem Ordnungsdienst-Offizier nach Radegast ab. Unterwegs unterhielt er sich mit dem OD-Offizier und meinte, dass es doch nicht so weit sei nach Częstochowa und dass die Arbeiter nach der Ankunft 5 Tage Ruhepause haben werden, um sich in Ordnung zu bringen und einzugewöhnen. Sie würden dort in einer Metall- bezw. Textilfabrik arbeiten und es sicherlich besser haben als im Getto, da die Ernährungsverhältnisse dort wesentlich günstiger lägen. Soferne die Leute ordentlich arbeiten werden, werden sie sich in keiner Beziehung zu beklagen haben.

Er erzählte auch, dass die Möglichkeit bestünde, eine Postverbindung mit den Angehörigen im Getto herzustellen.5 Wieweit dieser Mann berechtigt war, eine so günstige Prognose zu stellen, ist nicht bekannt. Da die Arbeiter dort in einem Lager leben werden und für sämtliche Judenlager Deutschlands die absolute Postsperre besteht, ist wenig Hoffnung auf eine Ausnahme.6

Mit der ersten Gruppe sind auch der Arzt Dr. Adalbert Löwy /Eingesiedelter aus Prag / und einige Friseure mitgegangen. Dr. Löwy wurde im Dienstwagen des deutschen Transportleiters sehr korrekt untergebracht. Die Uebernahme und Einwaggonierung vollzog sich diesmal in absolut korrekten Formen. Niemand wurde geschlagen oder auch nur schlecht behandelt. Das Gepäck der Arbeiter wurde im Bagage-Wagen vom Ordnungsdienst untergebracht.

Mit diesem Transporte ging auch der sogenannte „V-Mann“7 (Vertrauungsmann)8 der Kripo, Mosze Boms, mit. Mit ihm hat es eine besondere Bewandtnis: Dieser Boms ist eine der übelsten Figuren des Gettos gewesen. Als einer der ersten Spitzel der deutschen Kriminalpolizei hat er zahllose Juden des Gettos denunziert. Im Zusammenhange mit der Suche nach versteckten Stellungspflichtigen besuchte der Ordnungsdienst auch seine Wohnung. Boms berief sich auf seine hohen Beziehungen zur Kriminalpolizei. Die Kripo, die davon Kenntnis erhielt, winkte jedoch ab und überliess es dem Aeltesten, Boms mit seiner ganzen Sippschaft sicherzustellen. Die bei ihm in der Wohnung angetroffene Gesellschaft wurde mitgenommen, weil sie sich gegen die Kundmachung des Aeltesten, wonach niemand in fremden Wohnungen übernachten durfte, vergangen haben.9 Der alte Boms mit der Familie befindet sich noch im Zentral-Gefängnis. Mosze Boms wehrte sich so gut er konnte gegen die Ausschickung, fand aber keinen Schutz. Bevor er mit dem Transport abging, hatte er natürlich noch einige Püffe von der10 Mannschaft im Zentral-Gefängnis zu ertragen. Kein Wunder, dass sich die Juden ein paar Maulschellen und Fusstritte für diesen niedrigen Gesellen nicht verkneifen konnten. Boms soll versucht haben, sich durch Oeffnung einer Schlagader vor der Aussiedlung zu schützen, doch half ihm auch dieser Trick nichts. Bei der Verladung wehrte sich jede Wagengruppe, den üblen Patron bei sich aufzunehmen. Schliesslich musste man den Oberspitzel Boms im Bagage-Wagen verstauen.11

Sondergruppe:

Die zehn Personen, um welche das Kontingent von 1600 auf 1610 Personen erhöht wurde, sind als separate Gruppe nicht über Radegast, sondern durch den Baluter-Ring am gleichen Tage abgegangen. Es wird behauptet, dass es sich bei dieser Gruppe um landwirtschaftliche Arbeit handelt. Die Namen dieser zehn Personen sind: Cukierman Moszek Jakob, Cybuch Chaskiel, Daniel Zelig, Dzialowsky Zalek, Glanc Abram, Goldberg Zelman, Kordelas Jankiel Dawid, Kraus Franz, Majsterman Lajb, Strykowski Bencjon.

Die Ausreisenden erhielten: 2 kg Brot, 250 g Zucker, 100 g Schmalz und 50 Zigaretten.

Approvisation.

Am heutigen Tag sind grössere Fleischmengen eingelaufen u.zw. hauptsächlich für die nunmehr aktuell gewordene L-Zuteilung. Da die erste Zuteilung für zwei Wochen ausgegeben wird, wird je Kopf ein Quantum von 200 g Fleisch gebraucht. Es handelt sich um zirka 13,000 Begünstigte.

Kolonialwaren wurden im Rahmen des Kontingents und für die L-Zuteilung angeliefert, Gemüse kam keines herein.

Zuteilung von Heizmaterial:

Ab Montag, den 6. März 1944 werden gegen Vorzeigen der Gemüsekarte pro Familie

  • 2 kg „Lofix“ zum Preise von Mk. 4.-

herausgegeben.12

Ressortnachrichten.

Handstrickerei, Fischgasse 21, Alexanderhofstrasse 30,

erhielt einen Auftrag von Netztaschen für Militärzwecke. Es handelt sich wahrscheinlich um Taschen, die zum Zwecke der Lebensmittelfassungen der Soldaten neuerdings eingeführt wurden. Die Herstellung wird sowohl im Ressort selbst als auch durch die Heimarbeiterinnen erfolgen. Das Produktionsminimum wird pro Arbeiterin 36 Stück wöchentlich sein.

Gesundheitswesen.

Orthopädische Station:

Heute erschien ein Rundschreiben

an die Leiter13 aller Betriebe und Abteilungen
betr.: Einrichtung einer Werkstätte für orthopädische Artikel.

Hierdurch gebe ich bekannt, dass im
Holzbetrieb IV, Basargasse 6,
eine Werkstätte für orthopädische Artikel wie: Bruchbänder, Plattfusseinlagen usw. eingerichtet wurde.

Die Interessenten werden von einem Spezialisten, Herrn Dr. Wolfes, am Donnerstag jeder Woche14 in der Zeit von 12 bis 12,30 an der obangegebenen15 Adresse untersucht.

Die Leiter der Betriebe und Abteilungen werden gebeten, die bei ihnen beschäftigten Personen auf dieses Rundschreiben aufmerksam zu machen und die Kranken im Bedarfsfalle an den Holzbetrieb IV, Basarg. 6, zu verweisen.

Litzmannstadt-Getto den 4. März 1944.

/-/ Ch. M. Rumkowski

Der Aelteste der Juden in Litzmannstadt.16

Sanitätswesen.

Ansteckende Krankheiten: Heute keine Meldungen.

Die Todesursache der heutigen Sterbefälle: 7 Lungentuberkulose, 1 Lungenentzündung, 2 Herzkrankheiten.

1

Perec Zylberberg beschreibt die Zeit bis zur Ausreise, die Ankunft und das Leben vor Ort: „The manner in which we were being processed by the prison guards and doctors gave us a hope that we are being sent somewhere to work for the German war machine. The prison regime was tolerable. Food was more or less what we were getting in the ghetto. Mother and Esther came frequently to the barred windows and sometimes even brought something to eat. I don’t know how they managed out of their meagre rations to offer even the slightest thing. A few friends and acquaintances of mine were also put in the prison. We exchanged ideas as to the place we were going to be sent to. The number of arrested people grew into quite a large crowd. The imprisonment lasted until the 4th March 1944. On that day we left the ghetto in a somewhat subdued but hopeful frame of mind. We were marched off to the Radogosc-Marysin rail siding, just outside the ghetto wires. The loading into freight cars and the handing out of bread and marmalade went through in a very efficient way. Some fellow ghetto inmates even sang whilst marching. I could not join them. The songs were spicy and I wasn’t accustomed to such hilarity. In such a style and manner I left the ghetto after 4 1/2 years of war and ghetto imprisonment. I was too numb to take in the significance of the event. I suppose I went into a self-protecting shell of nothingness. Although the journey out of the ghetto did not last very long, it gave me a chance to ponder over the almost four years of fenced-in existence. It was very strange to be inside a railway carriage. I had not seen one for over 5 years. After the ghetto it seemed odd to see the train rolling along, not even knowing the direction that we were going. […]
When I left the ghetto, I felt as if I am waking up from a horrible nightmare.
In a state of stupor, with no thoughts on the future, the transport arrived in the Polish industrial city of Czenstochowa. The city was well known to me from Polish history books. It was this city that was associated with the miraculous defense against Swedish invaders, several hundred years ago. It is still the centre of Polish pilgrimages and catholic spirituality. With wonderment and trepidation as to what lies in store for us in this new destination, we embarked on the far from finished journey through the war-torn lands of Europe. In Lodz I left behind a life and a despairing mother and sister.
 Upon arrival in this new place, I experienced a bit of a culture shock. Again, after the absence of over 4 years, the Polish language and the Polish people became a visible and present reality. In the ghetto we were isolated from all other people around us, except of course the German overlords, very few of whom ever came face to face with us. Surely, under the impact of those traumatic ghetto years, we the ghetto Jews, were almost feeling a sense of isolation from all people. Not having had any living contact with anybody but our own people, we became conditioned to interact with Jews only. Of course in our minds we knew of what is going on and what went on in the past. But this ghetto life was very heavy with the survival psyche. The living world outside was already a distant memory. Since the Jewish community consisted of many distinct groupings, the ghetto life at first followed in that direction too. The constant threat to life made the people less aware of the linguistic, cultural, religious and political differences. As one ghetto community we slowly became one isolated, contactless crowd of hunted Jews. […]
Our first encounter at the railway siding was a mixture of disbelief and anxiety. Was this a concentration camp, the existence of which we didn’t hear of before? Or was it a labour camp? Nobody amongst the guards let on as to where we really were. We were counted and marched off to a public bath and delousing station. There, we encountered the first people that were talking Polish in a matter of fact way. It was pleasing to be amongst Poles, our neighbours for the last thousand years. It was a departure from our previous usages. Even the warm shower and delousing was a new experience. With little more than the few meagre items of clothing that we wore, we marched again through the streets of Czenstochowa to a factory somewhere in the city. Up till this day I don’t know more than the physical fact that a narrow river ran through the factory grounds. That river was the Warta.
The novelty and the responses and the regime of the labour camp Warta did at first seem strange. We were housed in an old warehouse, converted into barracks. One huge hall with sleeping bunks two stories high. No relieving features anywhere. No chairs, no tables, no privacy. All activity that went on, was in full view of everybody. This was true of most of the inmates. The camp favourites had lots of privileged spots, even in such drab surroundings. At first we could hardly fathom the new reality of a labour camp. Who were the elite of the camp? They were Jews who spoke our Yiddish language. But what function did they perform? What was their duty? What were the German staff and the guards like? The main theme of any inquiry was the expectations of the staff. What kind of work was being done in that huge factory adjoining the barracks? Only after some replies from the veteran inmates, did the curiosity switch to those very veterans.
Where did they come from? How long were they already in that camp? We the people from the Lodz Ghetto were also a curiosity to the old inmates. We looked emaciated. But we wore as yet clean clothes and shoes. They, the old inmates, were wearing rags compared to our attire. They didn’t look as famished as we did. Of course, the elite was well dressed and certainly not starved. There was even an elder, on the same standing as Rumkofsky. He was only a little fish compared to the elder of the Lodz Ghetto. There were Jewish policemen and Jewish Kapos. Kapos were the so-called foremen of the various working teams. There were Jewish barrack elders. The working parties were directly under German bosses. These first inquiries did not tell us about the real regime in the labour camp. We were trying to get acquainted with the new situation. The ghetto with its terrible legacy of misery and death was still the most frequent topic of talk amongst the Lodz Ghetto people. There was an overpowering desire on the part of people to extol their and their family’s standing in learning, commerce or position.
[…] The first contact with the labour camp reality was a disturbing event. So many things were not understood as far as the new setup was concerned, that it left a cloud of both horrible expectations and inner hope for easier ways to survive.
The reality of camp life was taking over at a fast pace. Out of the heavy impression of the long ghetto atmosphere and its ways and byways, I was confronted with the setup of the forced labour camp environment. The Jewish policemen and Kapos were not at all shy to impose their rules on the inmates. They were rough characters. They had behind them years of life in labour camps elsewhere. The food was not too bad, compared to the ghetto rations. There was more of the essential proteins and vegetables than we saw in the ghetto. We also quickly realized that there was a fair amount of smuggled food circulating around. Through direct contacts with Poles and even civilian Germans, the camp was much better fed than the ghetto was in general. Some of that abundance was also coming our way. I think that most of the ghetto people were without any money. We did not have any Polish or German money for years. All monetary transactions were conducted in rumkies as the ghetto money was designated. That money was issued by Rumkofsky on the instigation of the ghetto administration. It carried no value outside the ghetto. Maybe some of the people that were in my transport had valuables. Such items could be sold to some Poles. I didn’t have any sort of possession save what I wore on my back or old shoes.
The camp was set up by the Germans to provide a labour force for an ammunition plant. That plant was still being built when we arrived. It used to be a textile factory, before the war. The old machinery to produce materials was being hauled out. New machines kept on arriving from Germany. The whole work force of the camp was engaged in this operation. We were told by the German (camp commander) in charge of the camp that we will be required to work 12 hours daily, 6 1/2 days a week. We will be given food, shelter and some medical care. The rules of camp would be strictly enforced. Deviations would be severely punished. There was a Workschutz detail that guarded the compound. They were mainly Ukrainian and Lithuanian helpers to the Germans. They were led by German noncommissioned officers.
There were hardly any parties going out to do occasional assignments outside the camp. When such groups did go out, they would come back loaded with bread and other foods. I never went on such assignments. I was detailed to be working on the hauling and installing of the ammunition machinery. At that time, that is approximately two weeks after arriving in the camp, we were given each a postcard. It was a blank card with no address on the card, as to where we were. We were told to write in Polish or German. We were ordered to inform our families of our safe arrival and of being well in the new place. Of course we all did that. I also know that these cards arrived. We did not get any cards or other responses. We were glad for that little chance to let our beloved ones know that we are alive. It meant a lot to everybody.
 As the work routine was established, we started what would be known as a ‚camp normal life‘. We were woken up early in the day. After being given some kind of a coffee-coloured brew with our daily ration of bread and now and again some marmalade, we marched off to the nearby factory complex. The work was hard. Very little mechanical help was available. Most of the hauling, carrying of machine parts, of positioning was done with sheer muscle power. We were not overtly mistreated. We were not beaten too often. Now and again someone was kicked or whipped. I don’t recall too many instances of being abused. There were also few occasions when anti-semitic venom was dished out. I would call the work place a matter of fact slave compound. There were even a friendly few words exchanged sometimes between the German master and some inmates. Some other masters were dyed in the wool anti-semites. The bulk of the German staff was an elderly lot and army exemptees. They were thinking very often about their families in Germany.
Soon after our arrival, the camp got a contingent of women. They were brought to the camp from various other labour camps. Their appearances were more in line with our own looks. Quite a few women managed to keep a sexy look about them. There also came to our camp some married couples. They were people from the same city. They were at one point located in another factory. By the time summer rolled around, the camp was a mixture of people, men and women from a number of localities. The work of installing the machines and preparing the tools for production, was going ahead at full speed. When a comparison with our ghetto existence used to be made, we did come to a conclusion, that from many points of view it was an improvement. The food given to us and the occasional bit of extra got through a kind master or Polish co-worker, helped build up our strength. We missed our homes and families very much. But the quest to survive was the driving motto“ (Zylberberg 2001, Volume 7 und 8, o.S.)

2

aufgeben, hier in der Bedeutung ‚angeben‘; fachspr.

3

Mit Ausnahme der Abkürzung „u.“ (im Original „und“) wird der Wortlaut der Bekanntmachung Nr. 414 vollständig wiedergegeben. Vgl. APŁ, 278/170, Bl. 118: Rumkowski, Bekanntmachung Nr. 414, 3.3.1944.

4

Abraham Biderman erinnert sich an die Bekanntmachung und schreibt über die weiteren Ereignisse: „Rumkowski continued with his speeches in the factories. The results were not satisfactory: people resisted deportation. He called an urgent meeting of the factory managers at the Kulturhaus, ordering them to draw up lists of people from their factories, primarily of those whose departure would not reduce the flow of production. Hans Biebow appeared more frequently in the ghetto factories. His speeches had a softer tone, his addresses a friendly manner never heard before. Using words like, ‚My dear Jews‘, and ‚Please‘, he explained the needs of Germany in the war effort. Praising the Jews from the Lodz ghetto for the important role they played, and the hard work and skills they had given to the Third Reich, he appealed for volunteers for deportation, promising good conditions and plenty of food. Above all, he told them, he was most concerned for their safety. ‚The good workers, young and fit, must be protected from the approaching war theatre‘, Biebow said. ‚Soon the ghetto will be exposed to air raids and therefore must be evacuated. The invading communists will punish you for having worked so faithfully for the German war industry. It is for the protection and the well-being of the Jews from the Lodz ghetto to be evacuated from the invading Red Army‘. But Biebow’s speeches awoke only suspicion and distrust. We knew his intentions. His sweet promises made no impression. If anything, they had a negative effect: no volunteers came forward. The rumours about renewed transports of Jews into the forest near Chelmno started to spread again“ (Biderman 1995, S. 137).

5

Im März 1944 wurden die insgesamt 1670 Menschen in die HASAG-Werke nach Tschenstochau (Częstochowa) und Skarżysko-Kamienna im Distrikt Radom im Generalgouvernement geschickt. Diese Deportation stand im Zusammenhang mit der von Himmler geforderten Verkleinerung des Gettos und damit der Reduzierung der Gettoproduktion. Vgl. Alberti 2006, S. 480. - In Czestochowa (Tschenstochau), rund 200 Kilometer südwestlich von Warschau, befand sich seit April 1941 ein geschlossenes Getto, in dem bis zu 48000 Juden lebten. Als das Getto am 25. Juni 1943 aufgelöst wurde, leistete eine kleinere Gruppe von Juden bewaffneten Widerstand, der niedergeschlagen wurde. In Tschenstochau überdauerten die Zwangsarbeitslager lange: Am 28. Mai 1944 befanden sich in den vier Judenlagern der Rüstungsbetriebe noch 5229 Juden, einige Tage danach trafen mit Transporten weitere Zwangsarbeiter ein, so dass sich deren Zahl fast verdoppelte. Als die Deutschen beim Anmarsch der Roten Armee versuchten, die Juden abzutransportieren, gelang es vielen Menschen, sich den Transporten nach Buchenwald, Dora-Mittelbau und Groß-Rosen zu entziehen. 5200 jüdische Zwangsarbeiter, davon 1518 aus Tschenstochau, wurden befreit. Vgl. Młynarczyk 2007, S. 282 und 355f.; Seidel 2006, S.369; weiter Enzyklopädie des Holocaust 1995, S. 1433f.; Golczewski 1991, S. 437-476; Schwarz 1996, S. 138.

6

HK, LK**, JK**, JFK*: Nachfolgend gestrichen „Mit der oberwähn“.

7

HK, JFK*: Ursprünglich „Vormann“; von Hand korrigiert zu „V-Mann“. Am Seitenrand von Hand die redaktionelle Anmerkung ‚nur hier war „Vormann“ (V)‘. Offenbar von Nachkriegsbearbeitern. LK**, JK**: „Vormann“.

8

HK, JFK*: „(Vertrauungsmann)“ von Hand hinzugefügt.

9

So in HK, LK**, JK**, JFK*.

10

Nachfolgend gestrichen „übri“.

11

Mosze Boms wurde 1913 in Konstantynów geboren und lebte zusammen mit seiner fünfköpfigen Familie im Getto; als Beruf ist auf seiner Meldekarte Kaufmann angegeben (vgl. APŁ, 278/1011).

12

HK, LK**, JK**, JFK*: Nachfolgend gestrichen „Gemüsezentrale: Die ehemaligen Büros der Gemüseabteilung an der Hanseaten 25 wurden von der Bau-Abteilung“.

13

Im Original des Rundschreibens erscheint das Wort „Leiter“ gesperrt.

14

Im Original des Rundschreibens heißt es dagegen: „am Sonntag einer jeden Woche“.

15

Im Original des Rundschreibens: „obenangegebenen“.

16

Mit Ausnahme der genannten Abweichungen sowie einiger weiterer, inhaltlich unbedeutender Unterschiede (im Original des Rundschreibens „12 Uhr – 12 Uhr 30“ statt „12 bis 12,30“; dort „im Bedarfsfalle die Kranken“ statt „die Kranken im Bedarfsfalle“) wird das Rundschreiben vollständig wiedergegeben. Vgl. APŁ, 278/2061, Bl. 63: Rumkowski, Rundschreiben an die Leiter aller Betriebe und Abteilungen. / Betr.: Einrichtung einer Werkstätte für orthopädische Artikel, 4.3.1944.