Schriftgröße:A-A+

Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht vom Sonntag, den 17. Oktober 1943

Podcast Icon
Tageschronik Nr.: 
274

Das Wetter:

Tagesmittel 13-28 Grad, sonnig, warm.

Sterbefaelle:

10

Geburten:

1 /maennlich/

Festnahmen:

Verschiedenes: 4

Bevoelkerungsstand:

83.571

Tagesnachrichten.

Am heutigen Sonntag fanden keine Trauungen statt /Sukkot-Chal-Hamoid/.1

Der Präses spricht zu den Arbeitern:

Der Präses hat heute die Bügler /Presser/ zu einem Mittagessen in die Kolationen-Küche, Hohensteinerstrasse 26, eingeladen, um zu ihnen zu sprechen. Diese ueberraschende Aktion steht im Zusammenhang mit unserer Darstellung vom gestrigen Tage über die passive Resistenz gewisser Arbeiter. Gerade die Bügler in den Schneidereien sind über die Liquidierung der CP-Talone erbittert. Der Präses hat sie daher zusammengerufen, um ihnen die Lage zu erklären. Der Präses entschuldigte sich zunächst bei seinen Gästen, dass das Essen nicht fertig sei, er sei gewöhnt, zuerst seine Gäste zu bewirten und dann mit ihnen zu sprechen. Diesmal aber habe der Kessel sein Vorhaben verhindert.

In der dadurch entstandenen Pause liess der Präses Zigaretten verteilen, je 5 Stück pro Person und erledigte eine beträchtliche Anzahl von Petenten zum Teil sofort, zum Teil indem er die betreffenden Bitten zu sich nahm. Dann erst wurde das reichliche Mittagessen aufgetragen, worauf dann der Präses seine Ansprache hielt. /Siehe Beilage./ Es waren nicht alle Bügler anwesend, einige 60 sind der Veranstaltung fern geblieben.

Approvisation.

Wie am Vortage. Heute endet die Abnahme der 10 kg Kartoffel-Ration. Hoffentlich folgt sofort eine neue Ration.

Gemüsesalat:

Auf Coupon Nr. 54 der Nahrungsmittelkarte werden

500 g Gemüsesalat zum Preise von Mk. 2.- herausgegeben.

Kartoffeleinmietungen:

Die Einmietungen der Kartoffeln in Marysin gehen nun in raschem Tempo vor sich. Ca 1000 Arbeiter, Männer und Frauen, leisten diese für das Getto so verantwortliche Arbeit unter Leitung des Kommandanten S. Reingold. Alle Erfahrungen der letzten zwei Jahre sind ausgenützt. Von 7 Uhr frueh bis 5 Uhr abends wird gearbeitet. Die Mannschaft erhält 3 Suppen und 1 kg Kartoffel täglich, die Fachleute erhalten zusätzlich noch 20 dkg Brot. Ein Peleton von der Sonder-Abteilung überwacht die Arbeiten. Eine Partie Arbeiter arbeitet jetzt in den schönen Nächten auch bei Nacht. Es sind bereits 1.200.000 kg Kartoffeln eingemietet. Das Wetter ist ausserordentlich günstig, die Kartoffeln sind gesund und trocken, sodass, wenn kein Umschwung eintritt, mit ausgezeichnetem Erfolg zu rechnen ist. In den nächsten Tagen ist mit einem besonders starken Ausstoss zu rechnen.

Zucker:

Ueber Radegast ist ein Waggon Zucker hereingekommen. Es ist ein Rohzucker von besonders minderer Qualität, der vor allem sehr nass ist.

Fürsorgewesen.

Die Kolationen-Küche an der Masarska geht ihrer Vollendung entgegen. Der Präses ist sehr dahinter und treibt die Arbeiten voran. Die bisherige Küche an der Masarska ist bereits liquidiert und hat sich mit dem Personal zum Teil an der Hohensteinerstrasse 74, zum Teil an der Alexanderhofstrasse 25 etabliert. Damit ist eine der ältesten, ehemals gesellschaftlichen, Küchen endgültig verschwunden, denn die an ihre Stelle getretene Kolatie-Küche erfüllt den speziellen Zweck der Rekreation und ist nicht als eine Fortsetzung der alten Tradition dieser Küche zu betrachten. Es wurde davon gesprochen, dass die Küche schon zu Simchat-Thora2 eröffnet wird, dies dürfte jedoch nicht möglich sein.

Gesundheitswesen.

Injektionen:

Es sind jetzt wieder grosse Mengen von Injektionen hereingekommen, die sofort an die Verteilungsstelle, Dworska 1, dirigiert wurden. Noch immer stehen endlose Reihen von Interessenten von früh bis abends. Obwohl doch nur auf ärztliche Anweisung eine Injektion ausgefolgt wird, ist es doch nicht zu vermeiden, dass ein Teil dieser Heilmittel in die Hände von Händlern gelangt, die dann solche Injektionen zu exorbitant hohen Preisen verkaufen.

Sanitaetswesen.

Die heute gemeldeten ansteckenden Krankheiten:

keine Meldungen.

Die Todesursache der heutigen Sterbefälle:

7 Lungentuberkulose, 1 Herzschwäche, 1 Typhus, 1 Gehirnentzündung.

Beilage zum Tagesbericht vom Sonntag, den 17. Oktober 1943 Nr. 274

KONFERENZ DES PRAESES MIT DEN BUEGLERN.

Am 17. Oktober 1943.

Der Praeses lud die Bügler /Presser/ der Schneider-Ressorts für Sonntag, den 17. Oktober, zu einer Konferenz ein. Ort der Konferenz war die Kraeftigungs-Küche auf der Hohensteinerstrasse 26.

Ohne Begleitung erschien der Präses um 12 Uhr Mittag im Speisesaal der Küche, wo bereits die eingeladenen Arbeiter versammelt waren. Nach gegenseitiger Begrüssung machte der Präses einen Inspektionsrundgang durch die von ihm geschaffene Küche, worauf er in dem3 Saal zurückkehrte und unter stürmischen Kundgebungen die Besprechung wie folgt eröffnete:

„Freunde, Getto-Arbeiter! Ich begrüsse euch, die ihr in Massen erschienen seid und mir dadurch bewiesen habt, dass ein gesunder Instinkt in euch lebt. Ich habe keinerlei Prätentionen4 /lächelnd!/ gegen die, welche nicht erschienen sind, da sie nicht geladen waren, ebensowenig gegen die Kranken, die leider nicht kommen konnten und auch nicht gegen diejenigen, welche sich närrischerweise verleiten liessen nicht zu kommen ... Ihr habt vielleicht einen Verdacht wegen des Umstandes, dass ich allein, ohne eure Kierowniki, gekommen bin! Ich will mit euch allein reden, offen und ehrlich, wie Rumkowski es ständig gewöhnt ist, mit euch allein – klare Worte sprechen auf einfache ortsübliche Art.

Zuerst eine Vorbemerkung: Es ist mein Prinzip, nicht vor Menschen mit hungrigen Magen zu sprechen. Zuerst etwas essen, dann konferieren. Diesmal ging es leider nicht in dieser Ordnung. Daran bin nicht ich schuld, sondern der Kessel. Aber gegen ihn kann ich leider keine Sanktionen verhängen. Das Essen wird, wie ich aus der Küche vernehme, gleich fertig sein. Wir werden einen Imbiss nehmen und dann unsere Besprechung aufnehmen. Inzwischen will ich eine Feststellung machen: Ich bin, gottbehüte, nicht euer Feind, ich bin euer Freund, und einen Freund muss man vor allem verstehen und wenn nicht, muss man ihm vertrauen.“

Von der Küche kommt das Zeichen, dass die Mahlzeit in kurzem bereit sein werde. Der Präses lässt durch einige Ordnungsdienstler an jeden Gast 5 Zigaretten verteilen. Er benützt die Pause dazu, schriftliche Bitten der versammelten Konferenzteilnehmer entgegenzunehmen, wobei er einige Gesuche an Ort und Stelle durchliest und mit Anmerkungen versieht.

Das Bedienungspersonal geht ans Servieren der Mahlzeit heran. Zuerst eine gute, dicke, schmackhafte Suppe. Dann sogenannte „Knackwürste“, garniert mit Kartoffeln, Kraut, sauren Gurken und Rettich, schliesslich Kompott aus Kürbis und 10 dkg Brot. Mit Rücksicht auf das reichhaltige Mittagessen, erlaubte der Präses ausnahmsweise den Arbeitern, die nichtverzehrte Speise nachhause zu nehmen, eine Erlaubnis, von der viele Gebrauch machten.

Nach dem Essen fuhr der Präses fort: „Ich weiss, dass die Bügler Schwerarbeiter sind. Aber ich weiss auch, dass sie ein schwer zu behandelndes Element sind. Das jüdische Volk ist schwer zu behandeln, aber die Bügler am schwersten von allen. Die Bügler haben sich immer für die oberste Spitze gehalten, als waeren sie allein die Facharbeiter in ihrer Branche. Das war einmal. Heute geht das nicht an. Seinerzeit hatte ich selbst die Kontrolle ueber die Ressorts und wenn etwas nicht in Ordnung war, habe ich – ich bin doch ein jüdischer Pfiffikus – ein Auge zugedrückt. Heute kontrolliere nicht ich, sondern ein anderes Organ. Jedes Ressort muss einen Bericht über den Stand seiner Produktion abgeben. Ich bin bloss dafür verantwortlich, dass die verlangte Produktion geleistet wird.

Faktisch arbeitet man heute nicht mehr 10 Stunden, sondern 8 Stunden. Diese Aenderung war schwer durchzuführen. Ich glaube, damit die Situation des Getto-Arbeiters erleichtert, also meine Pflicht und mein Versprechen dem Getto gegenüber erfüllt zu haben. Es muss jeder Anschein von ‚Sabotage‘ vermieden werden, denn die Folgen solch einer Anschuldigung brauche ich euch nicht erst auszumalen. Ihr wisst, ich bin kein Lügner und Schönredner in der jüdischen Gasse und deshalb sage ich euch offen: Ich werde in den Ressorts nicht das geringste zulassen, was als Sabotage ausgelegt werden könnte. Die Mittel hierfür werde ich schon ausfindig machen. Eure sogenannten Führer, die euch einreden, eure Freunde zu sein, sind in Wirklichkeit eure Verführer, und ich werde gezwungen sein, ihnen das Handwerk zu legen.5 Ich bin kein Privatunternehmer, der darauf ausgeht, euch auszunutzen. Es handelt sich um euer Unternehmen genau so wie um das meinige und das aller Juden im Getto, die gleichfalls leben wollen wie die Bügler. Um das Getto zu erhalten und vor Unglück zu bewahren, werde ich – offen sei es gesagt – weder Rücksicht nehmen auf Einzelpersönlichkeiten noch auf eine Gruppe von Arbeitern! Die Störer und Agitatoren werde ich aus dem Getto entfernen, aber nicht etwa deswegen, weil ich um mein Leben zittere, sondern weil mir um euch bangt. Ihr sollt geschützt sein, denn mit meinem Leben habe ich – schneeweiss an Haaren und gebeugten Rückens – abgeschlossen!

Ich wende mich nochmals an euch, Brüder. Haltet mich nicht für einen Unternehmer, sondern für einen Menschen, der die Gettoverhältnisse genau kennt. Als solcher halte ich ständig die Hand auf dem Puls des Gettos und werde es auch weiterhin so tun. Ich habe mit meinem Kopf garantiert, dass im Getto gearbeitet und Ruhe bewahrt wird. Die Menschen, welche als Störenfriede auftreten, werde ich gezwungen sein zu beseitigen. Euch dies offen zu sagen, war der Zweck unserer heutigen Zusammenkunft. Etwaige weitere Unterhandlungen werden meinen Willen nicht ändern und zu Schaumschlägereien, zu leerem Strohdreschen habe ich keine Zeit.

Ihr seid mir böse, dass ich die C.P.- und B.III-Talone abgeschafft und durch Kräftigungsmahlzeiten ersetzt habe. Bei richtiger Betrachtung der Sachlage würdet ihr gewiss eure Einwände fallen lassen. Als Schwerarbeiter habt ihr die Talone bekommen, jetzt bekommt ihr dafür die Kolationen. Gewiss, diese sind nur für euch selbst bestimmt, während an dem Genuss der Talons auch eure Familie mitbeteiligt war. Aber dieses jüdische Gemeinschaftsprinzip, dieser jüdische Familiensinn ist hier nicht anwendbar. Es geht um das Gesamtschicksal, nicht um das Schicksal einzelner. Ich gebe euch ein Beispiel:

Ich habe über die Schwierigkeiten jener Personen nachgedacht, welche keine oder sehr schadhafte Zähne haben und habe zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten ein Laboratorium für künstliche Zähne geschaffen. Jetzt werde ich vom ganzen Getto belagert, jeder braucht Zahnprothesen. Aber so viel Material besitze ich nicht. Oft genug habe ich meinen guten Willen bewiesen, aber wenn das eine oder andere nicht geht, dann ist es eben nicht meine, sondern eure Schuld.

Es ist möglich, dass sich rings um mich nicht die richtigen Menschen befinden, aber heute lässt sich das nicht mehr ändern.

Ein anderer Fall, der sich vor euch selbst soeben abgespielt hat: Ich bekomme von einem eurer Leute eine schriftliche Bitte, hierauf von einem zweiten und dritten ebenfalls. Sofort ging ich daran, die Bitten zu lesen und zu erledigen. Plötzlich aber werde ich von Bitten überschüttet und ausserstande gesetzt, sie zu erledigen, worauf ich mir die Tasche damit vollstopfte ... für eine spätere Erledigung. Ich werde gewiss alles tun, was nur möglich ist, aber allen, allen werde ich nicht helfen können. Ich bitte euch, diesen Standpunkt zu verstehen. Ich wende mich an euch als Menschen und Juden! Begreift, dass es notwendig ist, Verständnis zu haben für die Gesamtheit des Gettos und sich den Interessen des Ganzen unterzuordnen. Zwingt mich nicht dazu, Mittel anzuwenden, die ich nur ungern in Kraft setzen würde. Wir haben schon genug Schläge bekommen und die Wunden sind nur schwer verheilt, darum werde ich nicht zulassen, dass sich unberufene Faktoren in die Wirtschaft der Ressorts einmischen.“

Nach diesen Erklärungen des Präses meldeten sich einige Bügler zu Worte. Der erste Redner bemängelte die Kräftigungsmahlzeiten.

Der C.P.-Talon sei wertvoller gewesen und darum bitte er, die Mahlzeiten so zu gestalten, dass der Empfänger die Küche gesättigt verlasse. Der zweite Redner beklagte sich über die Leiter und Instruktoren, die mehr Interesse für ihre Zuteilungen als für die Arbeiter hätten und nicht genügend Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Arbeiter nähmen.

Der Bügler, so erklärte ein dritter Teilnehmer, steht acht Stunden auf den Beinen und hantiert die ganze Zeit über mit einem 8-10 kg schweren Bügeleisen. Müde geworden hat er im Besitz des Talons sich etwas Zucker und Marmelade mitnehmen und davon zu rascher Erfrischung etwas zu sich nehmen können. Heute fehlt ihm diese Möglichkeit ...

Solche und ähnliche Beschwerden wurden auch von andern Büglern vorgebracht.

Der Präses fasste seine Antwort folgendermassen zusammen:

„Das Leben im Getto ist nicht leicht. Stets werden sich Unzufriedene und Unbefriedigte finden. Jetzt verlangt Ihr spezielle Mahlzeiten, später werden es die Metallarbeiter, Tischler, Sattler usw. verlangen. Ich werde euch nicht demagogisch, sondern sachlich antworten. In guten Zeiten gab ich in die Talons 30 dkg Fleisch, in minder guten 20 dkg Wurst, so dass bei 3 Talons monatlich 90 dkg Fleisch bezw. 60 dkg Wurst vorhanden waren. Heute bekommt ihr in den Kräftigungsküchen vierzehn Tage hindurch 10 dkg Fleisch täglich, das ist insgesamt 1 kg 40 Fleisch, dementsprechend die Quantitäten von Kartoffeln und Kolonialwaren. Diese Ziffern sprechen. Ich wäre glücklich, wenn ich allen Juden des Gettos nicht schlechtere Mahlzeiten geben könnte. Ich habe mich mit ärztlichen Fachleuten beraten, welche erklärt haben, dass die Kräftigungsmahlzeit tatsächlich geeignet ist, den Arbeitern Kraft zuzuführen und ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Die Talons, welche ihr mit euren Familien geteilt habt, haben ohnehin nur ein paar Tage ausgereicht, während ihr jetzt nur 14 Tage im Monat leer ausgeht. Und für die Kinder, soweit es geht, sorge ich stets separat, wie ihr selbst am besten wisst. 4000 Kinder sind in besonderen „Ochronkes“6 /Bewahrungsanstalten/ untergebracht und bekommen zwei gute Suppen täglich. Ich bitte euch zu bedenken, dass ich von den spezifischen Bedingungen des Gettos abhängig bin, die ich ganz genau kenne. Nochmals: mit demagogischen Parolen kommen wir nicht weiter. Ich kann nur das leisten, was im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt. Das System, einer gewissen Arbeitergruppe Ausnahmen einzuräumen, werde ich nicht einführen. Ich kann euch nur versprechen, alles, was in meiner Macht liegt, wie bisher fürs Getto zu tun. Ich hoffe auch, dass ich die Möglichkeit haben werde, das Getto mit Kohle zu versorgen, damit es nicht friere. Es tut mir leid, dass ich die Kräftigungsmahlzeiten nur auf 14 und nicht auf 28 Tage im Monat ausdehnen kann. Wenn sich die Gesamtsituation bessert, wird jeder davon geniessen, nicht nur die Gruppe der Bügler.“

Mit diesen Schlussworten fand die Konferenz um 3 Uhr nachmittags ihr Ende.

1

Der Ausdruck Chal Hamoid bzw. Chol Hamoed (hebr. ‚Halbfeiertag‘) bezeichnet die Zwischenfeiertage, die am dritten Tag von Sukkot beginnen und fünf Tage andauern. Während dieser Zeit darf nur eingeschränkt gearbeitet werden, Hochzeitsfeiern sind untersagt und das Haar- und Bartscheren wird nur in bestimmten Fällen gestattet. Vgl. Herlitz/Kirschner 1987, Bd. 1, S. 1371.

2

Sukkot (Plural von hebr. sukka ‚Laubhütte‘), das sieben- bzw. achttägige Laubhüttenfest, ist das größte Freudenfest im jüdischen Jahr. Es wird sowohl anlässlich der Obsternte und Weinlese als auch in Erinnerung an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten gefeiert. Während dieser Zeit wohnte das Volk Israel in Zelten, an die die heute aufgestellten Laubhütten erinnern. Die Gläubigen sollen während der Festtage in diesen dürftigen Unterkünften wohnen oder dort zumindest ihre Mahlzeiten einnehmen. Am achten Tag klingt Sukkot mit einem besonderen Feiertag aus, dem Schemini Azeret. Am darauffolgenden Tag wird das Fest Simchat Tora (hebr. ‚Torafreude‘) begangen. Dabei feiert man das Ende des jährlichen Zyklus’ der Toralesung. Dabei werden der Schluss und der Anfang des Pentateuchs verlesen. In der Synagoge findet ein Umzug mit allen vorhandenen Torarollen statt, der mit Jubel und Freude vollzogen wird. Vgl. de Vries 2003, S. 103-110; Schoeps 2000, S. 787f.

3

So in HK, LK*, JFK*.

4

Prätentionen ‚Ansprüche‘; zu frz. prétention, bildungsspr.

5

Rumkowski bezieht sich darauf, dass vor allem Mitglieder der gettointernen „Kommunistischen Organisation“ immer häufiger in den Streik traten oder auch – unter dem Schlagwort „PP: Pracuj powoli – arbeite langsam!“ – Sabotage betrieben. Dadurch wurde die Produktivität in den Betrieben verringert, was vor allem zum Schaden des größten Auftraggebers, der deutschen Wehrmacht, geschah. Da bewaffneter Widerstand im Getto Litzmannstadt aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, erschienen diese Aktivitäten den politischen Führern als einzig gangbarer Weg, den Gegner zu schädigen. Vgl. Löw 2006a, S. 328-333.

6

Ochronkes, zu poln. ochronka ‚Kinderbewahranstalt‘.