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Die Chronik

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Tagesbericht von Sonntag, den 9. April 1944

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Tageschronik Nr.: 
100

Das Wetter:

Tagesmittel 10-20 Grad, sonnig.

Sterbefälle:

keine Meldungen,

Geburten:

1 /w./

Festnahmen:

Verschiedenes: 1

Bevölkerungsstand:

77.613

Tagesnachrichten.

Infolge der Pessachfeiertage fanden heute keine Trauungen statt.

Der Sonntag ist ruhig, alle Läden sind offen. Das Getto ergeht sich in der Ostersonne mit knurrendem Magen. So hungrige Pessachfeiertage hat es noch nicht gegeben, aber eine gütige Frühlingssonne lässt die Herzen doch etwas höher schlagen und wieder hoffen.

Anbauflächen:

Die einzige Stelle, wo wirklich lebhafter Betrieb herrscht, ist die Wirtschafts-Abteilung an der Fischstr. 6. Dort stauen sich die Menschen, um die ausgefüllten Deklarationen einreichen zu können. Man hat schon heute einen Ueberblick, wie sich die Dinge entwickeln. Viele Leute haben ihre Nahrungsmittelkarten, die sie zum Bezuge von 15 qum Anbaufläche berechtigen, entweder an Freunde abgegeben oder, und das hat die Mehrzahl getan, an Bodenspekulanten verkauft. So stoppeln sich die früheren „Grossgrundbesitzer“ wieder eine grössere Działka zusammen. Der Preis für 15 qum wird heute mit 100-150 Mk notiert.